Bernd Begemann & Die Befreiung: Unsere Liebe ist ein Aufstand
Seit Jahren singt und musiziert Bernd Begemann irgendwo zwischen alternativem Reinhard Mey und hanseatischem Jonathan Richman. Textlich also zwischen gemütlicher Gegenwartskritik und koketter Selbsterniedrigung, musikalisch mal seichter, mal packender. Als Albumtitel ist Unsere Liebe ist ein Aufstand für die zwölf enthaltenen Songs trefflich gewählt: Textlich geht die Reise ins Innere, in den privaten Gefühlskosmos, aber musikalisch ist das Album das druckvollste und extrovertierteste, was seit langem aus Richtung Begemann kam.
Das treibende Titelstück taugt als Liebeslied ebenso gut wie als Kampflied, das rockige "Wie lebendig sie war" und das poppige "Ich lerne täglich dazu (und werde trotzdem nicht klug)" sind eher Triebeslieder, aber fast allen Stücken ist gemeinsam, dass es um das geht, was zwischen höchstens zwei Menschen passiert. Das ist mal euphorisch ("Ich habe nichts erreicht außer dir"), mal melancholisch ("Wir träumen von Liebe"), klingt immer ehrlich und nie platt.
Wer an Bernd Begemann nach dem Woody-Allen-Prinzip besonders seine "frühen, lustigen Songs" mag, der kommt im finalen "Unsere Band ist am Ende" auf seine Kosten. Es ist die ewige Geschichte der hoffnungsvollen Nachwuchsband, die am unfähigen Monitormischer, dem unkollegialen Keyboarder und dem Desinteresse der Damenwelt scheitert. Der Titel freilich wird kaum programmatisch für Begemann und seine Jungs von der Befreiung gemeint sein. Zumindest sollte man darauf nicht schließen, wenn man dieses füllmateriallose und höhepunktreiche Album als Indiz nimmt.