Felix Kubin & Coolhaven: Suppe für die Nacht
Wenn es einen Künstler gibt, der die so genannte Neue Deutsche Welle würdevoll fortschreibt, dann ist das Felix Kubin. Im Gegensatz zu jüngeren Erfolgbands, die an Ideal anknüpfen und mit ihren Vorbildern vor allem das “Deutsch”, aber nicht das “Neu” gemeinsam haben, dockt Kubin an die Verschrobenheit von Infantil-Minimalisten wie Der Plan an und hat dabei doch über Jahre seinen eigenen Kubin-Style entwickelt, der sich aus Kinderliedern, Alleinunterhalter-Musik, Science-Fiction-Soundtracks, Schlagern und Neuer Musik speist.
Für die schön in Pappbox gestaltete “Brombron”-Reihe, kuratiert von Frans de Waard, ist nun ein alter Traum von Kubin wahr geworden: Kubins Onkel Walter Knoth, ein Hobby-Musiker mit ausgeprägtem Hang zu rührseligen Schlagern, hat sich seit Jahren gewünscht, dass seine Lieder einmal vertont würden. Hierfür brachte Frans de Waard den Neffen mit der niederländischen Band Coolhaven zusammen. So zumindest erzählt es die Legende. Wie viel von dem, was wir auf “Suppe für die Nacht” zu hören bekommen, überhaupt mit dem ominösen Walter Knoth und dessen musikalischen Ambitionen zu tun hat, bleibt unklar. Klar ist aber, dass alle 19 Nummern von den Ambitionen eines Felix Kubin durchdrungen sind. Und das klingt manchmal, als ob Pierre Boulez ein Swing-Orchester dirigieren würde. Rentnerball und Noise, Kitsch und Avantgarde, Unterhaltung und Revolte sind für Kubin keine Gegensatzpaare, sondern sorgen für angenehme Reibeflächen auf einer Platte, der man lobend bescheinigen kann, dass sich alles “Deutsche” an ihr höchstens auf die später ins Exil vertriebene Musik der 1920er-Jahre bezieht. Brecht hätte diese Platte geliebt, wenn er Dadaist gewesen wäre.