Finn-Ole Heinrich: Die Taschen voller Wasser

Finn-Ole Heinrich schaut ganz genau hin und erkennt bisher übersehene Details in den neun Erzählungen in Die Taschen voll Wasser. Hinter der Oberfläche dieser Details gibt es weniger nur Sonnenschein und Vogelzwitschern, dort sind die Zweifel, die Wünsche, über die man nicht spricht und die Gedanken begraben, die man sich nicht denken mag. Hinter verschlossenen Türen kotzt Emilie sich immer wieder leer und zufrieden, um ihren Plan, sich ein fremdes Leben einzuverleiben, konsequent durchsetzen zu können. Hinter der anderen Tür ahnt ihre Mitbewohnerin nicht, dass es um ihr Leben geht. Andererorts rebelliert Jonas letztendlich doch über seine Mutter, die Tod am Küchentisch sitzt und stillt dabei einen wortwörtlichen, über Jahre aufgestauten Durst. Am Schluss jedoch bleibt ihm nur die Trauer und die Erkenntnis, dass sich dadurch nichts ändern kann- zu spät. Jede einzelne Geschichte erzählt von dem Traum, etwas zu werden, etwas zu besitzen, irgendwo anzukommen, wo es vielleicht anders ist und vergisst dabei nicht, das Jetzt als gegeben zu betrachten, dass nur so und nicht anders funktionieren kann. Finn-Ole Heinrich weiß, dass es mehr bedeutet, als Nässe und Vergänglichkeit, wenn man die Taschen voller Wasser hat. Er erkennt die Bedeutungen hinter ordinärem Alltag und Verhalten und beschreibt, ohne zu werten, alle schönen und unschönen Bruchstücke davon.

Taschenbuch, 134 Seiten 

9,90 €

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