Heinz Strunk: Mit Hass gekocht

CD auf Roof, 2006
Brillantes Ekelsüppchen à la Strunk
Heinz Strunk, der Mann, der mit seinem Debütroman „Fleisch ist mein Gemüse“ 2005 überraschendes Aufsehen erregte und Bestseller-Zahlen erreichte, bietet uns nun, nachdem „Fleisch ist mein Gemüse“ außerdem als großartiges Theaterstück namens „Phönix“ aufgeführt und als Hörbuch aufgenommen wurde, einige Kurzhörspiele seiner anderweitigen Beobachtungen, direkt aus dem Leben.
Strunk präsentiert hierbei, in komplett alle Geräusche allein produzierender Manier, mikroskopische Momentaufnahmen aus Raststätten-WCs, Krankenhauskantinen, beim Urologen, in derbsten Imbissbuden, Altersheimen, aus den Gehirnen der versoffensten ärmsten stinkenden Männer auf Erden. Kurz die Orte, die man tunlichst vermeidet oder dessen Aufenthalt man auf ein minimales Zeitkontingent reduziert. Strunk ist dabei so penetrant wie eine Schmeißfliege die sich für dein Essen interessiert. Aber nicht um den heißen Brei herumgefliege, nein, immer richtig rein in die peinlichsten Situationen, die oftmals von äußerst profanen Geräuschen ausgelöst werden (Gnade für unseren feinsinnigen Geist, bitte!), denn die Verdauung von Fleisch zieht sich wie ein roter Faden, ach was red ich, wie unser durchschnittlich 8 Meter lange Darm durch Strunks Hörspiele, krümmt sich dabei auf den Weg nach unten durch zahlreiche Ebenen des alltäglichen Grauens und entlädt sich zu guter letzt in einer großen grauen deprimierenden Wolke, und man wundert sich: wie schafft der Typ es, dass man dabei noch lachen kann? Jeder kennt diese Momente, wenn sogar auf der Zugtoilette einem durch den Lautsprecher Kassler Nacken aus dem Bordrestaurant angeboten wird, da kann einem das Lachen auch schon mal vergehen.
Strunk konfrontiert uns mit Absurditäten des Alltags wie dem paranoiden Wurstverkäufer der Komplimente für seine Krakauer nicht verträgt, ist ja auch totaler Schwachsinn, schmecken eh alle gleich scheiße oder geil. Oder einem Typen, der nach Bad Segeberg zieht wegen des Autokennzeichens (SE-X), nicht minder bekloppt! Gleichzeitig vermittelt Strunk die Art von Situationskomik, die eben erzählend schwierig rüber kommt, durch das Genre des Kurzhörspiels einem aber direkt ein als-würden-man-selbst-daneben-stehen-Gefühl geben. Strunk versetzt sich derart glaubwürdig in die Rolle von stupiden rülpsenden Kerlen die wegen ihrer „Hackfahne“ keine Frau abkriegen, in alte Omas, die darüber abkichern, dass eine bis zum Hals gewachsen Schilddrüse Gulasch für eine ganze Fußballmannschaft abgegeben hätte oder in Terror-Klofrauen die „dreimal abschütteln“ für Onanie halten, dass er eine Kombination aus Ekel, Mitleid und Lachen evoziert. Strunk beherrscht die Intonation dieser armseligen Gestalten gar virtuos, wie beispielsweise auch den hysterischen Ausraster eines Bahnschaffners während der Zugansage. Der im Hintergrund harmonisch dudelnde Kneipenschlager, das Toilettenradio oder die Klassiksinfonie in der Arztpraxis kontrastieren die sich im Vordergrund abspielenden beknackten Dialogen und Aggressionen, und dumme Sprüche wie „Airbag ist kein Schmusekissen“ finden hier ihre Kumulation und erhöhen den Spaßfaktor ungemein.
Achtung, Heinz Strunk Sammler: Mit zum Teil bereits veröffentlichten Tracks!

17,90 €

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