Kraków Loves Adana: Interview

„Songs are as sad as the listener" (J.S.Foer)

Kraków Loves Adana führen ein »Interview« mit sich selbst. Deniz Cicek und Robert Heitmann hörten in sich hinein. Die Ergebnisse dieser Reflexion wurden zu einer der ambitioniertesten und abstrakt stimmungsvollsten Pop-Platten der letzten Jahre.

»No, you shouldn't care, what the others say, they're afraid of us.« Schon der Opener »Avantgarde« von Kraków Loves Adanas zweitem Album »Interview« vermittelt eine sichere Ahnung davon, in welche Richtung es auf dieser Platte gehen wird: Weg von nachahmendem Verhalten, konkreten Vorbildern oder gar Trendhörigkeit, hin zu etwas, dass die beiden Bandmitglieder sehr originär abbilden soll. Wenn eine solche Zielsetzung immer so klingt wie im Fall der beiden Freiburger, kann man allen anderen Musikern nur raten: Macht's genauso!

Ein Ablösungsprozess

Eine Platte haben Kraków Loves Adana bereits veröffentlicht, »Beauty« von 2010. Das Album bewegte sich vage im Spielfeld von tanzbarer Popmusik, solche Einschätzungen wurden aber durch mollig-düstere Sounds und vor allem die schillernde, zerrissene und enorm dunkel klingende Stimme Deniz Ciceks konterkariert. Das neue Album sollte diesem ureigenen Impuls mehr Rechnung tragen, und das tut es ohne Zweifel auch, ganz nach Kraków Loves Adanas Credo: »Man muss sich aktiv von den Erwartungen anderer freimachen und erstmal in sich gehen, um herauszufinden, wohin man als Band wirklich will.«

Das Ergebnis dieses Ablösungsprozesses kommt auf »Interview« deutlich durch und macht die Band besser denn je. Es ist ein Bündel höchst abstrakter und oftmals reduziert arrangierter Popsongs, die dadurch aber nur noch stärker und - vor allem - unverwechselbarer wirken. Oft stehen roh klingende Gitarren im Mittelpunkt (»Montmartre«), selten ein einfacher, tanzbarer Beat (»For those who think young«), immer verwoben mit dezenten, aber wirkungsvollen Sounds, und nicht zuletzt der starken Stimme Ciceks, die Assoziationen zu PJ Harvey, Cat Power oder Kate Bush aufmacht. Kraków Loves Adana haben sich von den Konventionen der Pop-Arrangements befreit und lassen alles weg, was für ihre Songs nicht tragend ist.

Zwiegespräch mit sich selbst

Dabei war der musikalische Ausgangspunkt zunächst ein ganz anderer: »Die ersten Songs zu »Interview« sind eigentlich aus dem Wunsch heraus entstanden, etwas eingängigere, bandlastigere Stücke zu spielen.« Entscheidend wurde aber immer mehr der Wunsch nach einem originären, ureigenen Ausdruck: »Den größten Einfluss auf die Entstehung hatte Deniz' persönliche Verfassung. Es war eine Art Frage-Antwort-Spiel, sie horchte in sich hinein, und entweder entstand als Reaktion darauf eine Melodie, eine Textzeile, ein ganzer Song in fünf Minuten, oder eben nichts.« An diesen Skizzen feilten Kraków Loves Adana herum, ausgiebig, zusammen mit ihrem Produzenten Johann Scheerer (Phantom/Ghost, Faust, La Stampa, Stella, 1000 Robota) in den Clouds Hill Studios in Hamburg.

Die Band ließ sich Zeit, konnte sich Zeit lassen. Herausgekommen ist etwas, das all diese Arbeitszeit rechtfertigt: Ein Pop-Album von einer Dichte und stimmungsvollen Komplexität, wie es bei kaum einer anderen Platte aus heimischen Landen in den letzten Jahren zu finden war. Das ist kein Trend und wird auch kein Trend werden, hat aber unbestreitbar etwas viel wichtigeres: Klasse.

 

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