Like A Stuntman: Original Bedouin Culture
Like A Stuntman sind zwar eine deutsche Band, aber eine der ganz wenigen, die
ihr Debüt-Album bei einem englischen Label (Highpoint Lowlife) veröffentlicht hat. Da dieses zunächst auf UK beschränkt war und auch die Tourneen vor allem auf der Insel stattfanden, blieben Like A Stuntman hierzulande weitgehend unbekannt. Das war 2005. Vier Jahre später haben die vier Musiker nun endlich ihr zweites Album fertiggestellt. Dieses wird nun bei Bureau B veröffentlicht, die darauf Stolz wie Bolle sind. Dürfen sie auch!
Schneider TM über Original Bedouin Culture:
»Das Album ist eine sehr gelungene Mischung aus dem psychedelischen Spirit und Sound vieler um das Ende der 60er entstandener Alben (z. B. von den Beach Boys/Pet Sounds, den Silver Apples, Bands der Tropicalia-Bewegung in Brasilien wie Os Mutantes und so fort), vermengt mit musikalischen Einflüssen und dem lakonischen Humor einiger Post-Post-Punk/Indierock-Bands aus den frühen 90ern wie seBADoh, Folk Implosion oder Pavement, veredelt mit einer eigenen Art von elektronischem „Weird Folk“ der späten Nullerjahre. Like A Stuntman wissen um Krautrock und die Befreiung der elektronischen Musik Mitte der 90er Jahre durch diverse Künstler auf Warp, aus Köln, Düsseldorf, Frankfurt oder Berlin. Man
könnte meinen, Like A Stuntman seien schlau und kombinierten einfach das Beste aus den letzten 40 Jahren alternativer Popmusik. Aber obwohl es wahrscheinlich sogar so ist, hört man in jedem Ton viel Leidenschaft, Liebe und teilweise Selbstvergessenheit. Das lässt eher darauf schließen, dass hier ein Album entstanden ist, das die Urheber gern selbst hören würden. Und das ist sowieso das Beste.«
Rasmus Engler über Original Bedouin Culture:
»Mass communication bores me, singt Sven Fritz auf Fake Beards/Our Hands Sweat, dem zunächst eingängigsten Stück des neuen Albums von Like A Stuntman. Und diese Abfuhr, die dem Vernetzungswahn durch Internet-Idiotie ebenso gelten könnte wie dem Geschwätz von Menschenmassen, ist charakteristisch für Original Bedouin Culture. Gerade wenn man um die Langsamkeit erzwingende Arbeitsweise des auf diverse Städte verstreuten Quartetts weiß und um die Tatsache, dass Like A Stuntman in letzter Zeit weder durch übertriebene Medienpräsenz noch durch unermüdliches Tourneegebaren in Erscheinung getreten sind, könnte man obiges Zitat für einen Schlüsselsatz des Albums halten. Auf der anderen Seite: Er könnte auch Fake beards, our hands sweat lauten, denn die assoziativen, oftmals wenig durchschaubaren Texte werden auf Original Bedouin Culture eher wie ein weiteres Instrument genutzt. Ich wage zu behaupten, dass sich die einzelnen Mitglieder während der Produktion von Original Bedouin Culture unabhängig vom Rest der Band häufig in Klausur begaben und an den Liedern weiterbastelten. Dieses beständige Rumgewurschtel tut der Musik überaus gut. Verhuschte Gesänge, die unter Bettdecken aufgenommen sein könnten, begeben sich ins Duett mit warmen Synthesizerflächen, akustische wie elektrische Gitarren verkünden ihre Meinungen und sirren über die feinsinnig zusammengesetzten Songs.
Original Bedouin Culture gelingt auf beeindruckende Art und Weise der Brückenschlag von Matador zu Warp, die Firmen ECM und eine kleine Free-Folk-Kommune in Sichtweite. Oder: Like A Stuntman klingen wie die überaus sorgfältigen, aber von keiner unnötigen Hast getriebenen Konkursverwalter, die den Frühjahrsputz nach ca. fünfzig Jahren Rockmusik überwachen. Oder, um es auf die Spitze zu treiben: Like A Stuntman dirigieren Murmeltierchöre, Ameisen trampeln durch lichtdurchflutete Tunnels, während
draußen ein verärgerter Sommerregen seinen Gedanken nachhängt. Eine phantastische Platte – man könnte glatt den Verstand verlieren!«
Wake Up William Blake / Fake Beards/Our Hands Sweat / On Repitition We Are / Mc Sensation / Periscoping / Damascus / Off-Flavor / No Tundra, No Sun / Rise / Drive To Cologne / Owls / In A Canoe